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Bewusster und selbstbestimmter Abschied

Bewusst und selbstbestimmt Abschied nehmen ist so wichtig und heilsam. Als uns mitten in der Nacht die Polizei aus dem Schlaf riss und uns die wohl schrecklichste Nachricht, den Tod unseres Sohnes überbrachte, stand die Welt still. Ich war wie gelähmt und zu nichts mehr fähig, schon gar nicht die Beerdigung meines Sohnes zu organisieren. Erst der Impuls unseres Freundes bewusst und aktiv von unserem Sohn Abschied zu nehmen, ihn zu waschen und heim zu holen, weckte meine Lebensgeister. Es war wohl die traurigste, intensivste Erfahrung in meinem bisherigen Leben und doch sehr innig und skurriler Weise auch schön. Ein Erlebnis, das mich durch alle bisherigen Trauerwellen hindurchgetragen hat und sicherlich auch weiterhin trägt. Eine Möglichkeit all unsere Liebe, alles Ungesagte, alles Versäumte noch ein letztes Mal zum Ausdruck zu bringen.- Zwei wesentliche Bestandteile waren Raum und Zeit.

 

Ich habe schon ein paar Abschiede erlebt und alle waren sehr unterschiedlich. Meine Mutter verstarb in meinem Beisein im Krankenhaus. Das Pflegepersonal dort war sehr rücksichtsvoll und gab mir Zeit, dennoch war mir klar, wenn ich dieses Zimmer verlasse, werde ich meine Mutter nie mehr wiedersehen. Der Bestatter damals riet uns zu einem Abschied im Krankenhaus am offenen Sarg, zur besseren Trauerbewältigung. Die Trauerfeier und anschließende Urnenbeisetzung waren wie man es eben so macht. Für einen wirklichen Abschied fehlte der Raum und letztendlich auch die Zeit. Mein Vater starb ebenfalls in meinem Beisein bei sich zuhause. Mittlerweile um die Ausbildung zur Hospizbegleiterin reicher, blieb er zwei Tage noch bei uns. Wir wuschen ihn und hatten Zeit uns zu verabschieden. Die Trauerfeier fand wie gewöhnlich im Krematorium statt. Diesmal hatten wir deutlich mehr Zeit und Raum. Bei den Großeltern konnte ich leider nur zur Trauerfeier anreisen. Alle hatten eins gemeinsam, sie waren krank und das Ende war mehr oder weniger absehbar. Wir konnten uns monatelang, jeder auf seine Weise, darauf vorbereiten.

Der plötzliche Tod unseres Sohnes war jedoch völlig unvorhersehbar und ein absoluter Schock. Und was uns fehlte war definitiv Zeit!

  • Zeit es zu begreifen

  • Zeit es anzunehmen

  • Zeit um zu wissen was wir brauchen um unser Kind loslassen zu können

Wir hatten genau 3 Tage Zeit um die Trauerfeier bei und Zuhause vorzubereiten, da der Pfarrer, der Sebastian taufte, extra aus Regensburg anreiste und nur am folgenden Samstag Zeit hatte. Ohne die vielen helfenden Hände und Herzen wäre das nicht möglich gewesen. Selbst bei der Trauerfeier feilschten wir um jede Stunde, bis der Bestatter Sebastian abholte. Kostbare, wertvolle Zeit – unsere letzte gemeinsame Zeit – Zeit um loszulassen.

 

Unser Innenhof gab geschützten Raum für Abschied, Trauer und Feier. Durch die Gelegenheit den Sarg zu bemalen, Holzherzen zu gestalten, Fotos aufzuhängen gab es Raum für Gedanken, Hoffnung und Erinnerungen. Raum um zu Weinen, zu Lachen, zu Reden und zu Schweigen.

 

Auf den Tod unseres Sohnes hatten wir leider keinen Einfluss, aber auf die Gestaltung des Abschiednehmens ganz nach unseren Bedürfnissen. Und da haben wir alles mitgenommen was möglich war. Das nimmt uns zwar nicht die Trauer und den Schmerz und bringt uns auch nicht unseren Sohn zurück, aber es gibt uns Frieden. Frieden alles gemacht zu haben was in unserer Macht stand. Nun müssen wir damit leben lernen. Das erste Jahr haben wir bisher überlebt und weitere werden folgen.

 

Aus unserem Erlebten ist es mir ein großes Anliegen Betroffene auf diesen letzten Weg eine Hilfe zu sein und je nach Wunsch und Situation 

  • aufzuklären

  • Mut zu machen

  • Raum zu geben

  • zu begleiten

Wenn Sie möchten bin ich gerne für Sie da!